Quelle: »»Spanisches Fremdenverkehrsamt

Es ist schade, dass die Reisewege, die vom übrigen Europa nach Spanien führen, oftmals am ganz speziellen Kulturgut Spaniens vorbeigehen. Mit „ganz speziell" meinen wir diesmal ein Tal in der Provinz Lerida, das in den Pyrenäen liegt (also weit weg von den üblichen Verkehrswegen), aber deshalb auch einen Schatz bergen kann, der die Besuche der grossen Masse gar nicht ertragen würde. Wir meinen das Valle de Boi, in dem der Kulturfreund auf eine ganze Einheit von romanischen Kirchen trifft.
Die neun historischen Monumente sind ein klares, homogenes Beispiel der romanischen Baukunst und der Zustand der Kirchen ist eigentlich überraschend gut.
Die Unesco wollte aber mit dem Schutz der Kirchen einem möglichen Schaden vorgreifen, denn immer mehr kommt die heutige Zivilisation näher und es könnte sein, dass sich auch die Skistation in diesem Gebiet (Boi-Taüll) bald einmal ausbreiten will. So ist eigentlich fast jedermann in der Provinz darüber erfreut, dass jetzt die Unesco die romanischen Kirchen „Sant Feliu" (Barruera), Sant Joan (Boi), Santa Maria (Cardet), Santa Maria de l’Assumpcío (Coll), Santa Eulàlia (Erill-la-Vall), Sant Quirc und Santa Maria de la Natividad (Durro) sowie Santa Maria und Sant Climent (Taüll) schützt und sie zum „Kulturgut der Menschheit" zählt.
Léridas Landstriche, die längst nicht so bekannt sind, wie sie es eigentlich verdienten, bieten dem Besucher zahlreiche Abwechslungen. Die Provinz, die im Nordwesten Kataloniens liegt und von den über 3000 m. heben Gipfeln der Pyrenäen bis zu den Ebenen des mittleren katalonischen Flachlandes im östlichen Teil der Ebro-Niederung reicht, birgt eine Vielfalt von reizvollen Landschaften.
Im gewaltigen Pyrenäen-Massiv wird man wunderschöne Bergseen und grüne Täler mit Wiesen und Wäldern finden; an rauschenden Bächen tauchen bezaubernde kleine Dörfer auf, die altes Brauchtum und Kunstschätze bewahren, die man hier nicht vermuten würde. Am bekanntesten ist das Aran-Tal mit dem Hauptort Viella (Vielha); ebenso reizvoll sind jedoch auch die in der Region des Pallars gelegenen Täler des Àneu, Cardós oder Vallfeffera, deren Flüsse in den Noguera Pallaresa münden. An dessen Ufer liegt das Städtchen Sort, Hauptort der Region Pallars Sobirà. Diese Zone birgt reiche romanische Kunstschätze; besonders sehenswert sind in dieser Hinsicht die Kirchen und Wandmalereien von Taüll, Boí, Barruera, Durro und weitere Orte, die im Boí-Tal in hinreissend schöner Berglandschaft in der Nähe des Nationalparks von Aigüestortes y Lago de San Mauricio (Lago de San Maurici) liegen.
Der Fluss Noguera Pallaresa windet sich durch enge, gewaltige Schluchten (Collegats, Terradets) oder verbreitert sich zu grossen Stauseen, in denen Wassersport ausgeübt werden kann. Tremp ist der bertriebsame Hauptort der Region Pallars Jussà. Von Pobla de Segur aus gelangt man ins wunderschöne Vall Fosca. Unzählige kleine Kirchen, alte Klöster und romantische Burgruinen sind Zeugen einer alten Geschichte. Als Beispiele seien in diesem Zusammenhang Covet, Gerri de la Sal Mur und Llordá erwähnt.
Im westlichen Teil der leridanischen Pyrenäen erstreckt sich das Segre-Hochtal; der Segre ist einer der grossen Flussläufe dieser Gegend. Inmitten eines gewaltigen Bergrunds liegt die Stadt La Seu d'Urgell, ein alter Bischofssitz mit einer herrlichen romanischen Kathedrale, an der italienische Einflüsse zu erkennen sind, und einem ausserordentlich interessanten Museum mit kirchlichen Kunstobjekten aus dem Mittelalter. In derselben Region des Alt Urgell verdienen die Orte Castellciutat, Castellbò, Sant Serni der Tavèrnoles, Coll de Nargó und Organyà besondere Erwähnung.
In den Vorpyrenäen bilden die Sierras del Montsec, Port del Comte oder Cadí den Übergang zu den südlicher gelegenen, immer noch bergigen Regionen; auch hier kann man interessante Ortschaften besuchen, von deren enige noch mit Festungsanlagen versehen sind; Ager mit Stadtmauern, typischen Strassen und schöner Stiftskirche; Camarasa und Balaguer, der Hauptort des Bezirks La Noguera und der ehemaligen Grafschaft Urgel mit alten Burgruinen und den Kirchen Santa María und Santo Domingo; Sant Llorenç de Morunys, das ein altes Kloster mit einem bezaubernden volkstümlichen Barockaltar und die Kapelle del Miracle mit einem grossartigen Retabel desselben Stils birgt; Olius mit einer Krypta aus der Zeit vor der Romanik; das von Mauern umgebene Solsona mit seiner schönen Kathedrale, die romanische, gotische und Barock-Elemente enthält, und einem Museum, das reiche Kunstschätze aus dem Mittelalter bewahrt und im klassizistischen Bischofs-Palais untergebracht ist.
Die in der Niederung gelegenen Ebenen wären eigentlich Steppenland, aber ein hervorragendes, aus alten Zeiten stammendes Netz von Bewässerungskanälen (Urgell, Pinyana, Aragón und Cataluña) hat hier die Anlage von ausgedehnten Gemüse-, Obst- und Getreidefeldern möglich gemacht. Hauptstadt des Bezirks Segarra ist Cervera, dessen alte Universität im 18. und 19. Jht., als alle anderen Hochschulen dieser Art geschlossen wurden, zum geistigen Mittelpunkt Kataloniens wurde; zum Bezirk Urgell mit seiner aufstrebenden Hauptstadt Tárrega gehören die Orte Agramunt mit einem schönen romanischen Kirchenportal, Bellpuig mit einem grossartigen Renaissance-Grabmal des Ramón Folc de Cardona, der Vizekönig von Sizilien und Neapel war, und dem Zisterzienserinnen-Kloster Vallbona de les Monges, das mit denen von Poblet und Santes Creus vergleichbar ist. Les Borges Blanques ist der Hauptort des Bezirks Las Garrigues, einer Region voller Olivenhaine, dessen Öl von besonders guter Qualität ist.
Lérida, die Hauptstadt der sogenannten «Terres de Ponent» oder des katalonischen Binnenlandes, ist ein bedeutendes Landwirtschafts-, Industrie und Handelszentrum, in dem internationales Landwirtschafts- und Viehmärkte abgehalten werden. Die Stadt liegt auf einer Erhebung am Ufer des Segre; sie wird von der alten Burg La Suda und der alten Kathedrale - La Seu Vella - überragt, einem Meisterwerk des Übergangs von der Romanik zur Gotik (12. bis 15. Jht.) mit herrlichem Kreuzgang. Weitere sehenswerte Bauwerke sind das Rathaus - Paería - mit Fassade und Innenhof im romanischen Stil und einem Geschichts-Museum mit reichen Kunstschätzen, ferner die romanisch-gotischen Kirchen Sant Llorenç und Sant Martí, das alte Hospital de Santa María (15. Jht.) mit dem Archäologischen Museum des Instituts für Leridanische Forschung, die klassizistische Neue Kathedrale (18. Jht.) mit ihrem Kapitelmuseum, die Burg und Kirche Gardeny im Stil der Zisterzienser und das Diözesan-Museum (im Bischofspalais und in der Kirche Sant Martí).

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