Quelle: »»Spanisches
Fremdenverkehrsamt
Barcelona ist eine Stadt des Nordens im Süden, d. h.,
sie ist fortschrittlich, arbeitsam, bürgerlich und
europäisch, aber gleichzeitig ist sie
traditionsbewusst, volkstümlich, dem Mittelmeer
zugewandt und besitzt ein angenehmes Klima. Die Spannung
zwischen Tradition und Fortschritt zeichnet sowohl die
Stadt wie die fast zwei Millionen Einwohner aus.
Barcelona liegt auf einer Ebene, die sanft von der
Collserola-Sierra (mit dem 512 m. hohen Tibidabo, ihrem
höchsten Berg) zum Meer hin abfällt. Das
politische Zentrum mit dem Sant Jaume Platz ist auch das
der Stadt Dort stehen die Paläste, die das Rathaus und
La Generalitat die autonome Regierung Kataloniens also,
beherbergen. Die Verwaltung der Stadt fiegt in den
Händen des mächtigen Rathauses. In dem anderem
Palast hat, wie schon an gedeutet die Regierung, d. h. La
Generalitat oder die Verwaltung, der Autonomen Gemeinschaft
von Katalonien ihren Sitz.
Das Land mit seinen heute rund sechs Millionen Einwohnern
entstand als karolingische Mark im 9. Jh. Zu der Zeit hatte
die Region schon viel hinter sich: eine lange
Vorgeschichte, die iberischen Stämme, phönizische
und griechische Siedlungen, römische Vorherrschaft,
den Einfall der Goten und danach der Mohammedaner. Letztere
zwangen die Franken, zur Verteidigung ein Grenzgebiet
einzurichten. So bildete sich langsam auf beiden Seiten der
östlichen Pyrenäen ein neues, aus
Herzogtümern bestehendes Land. Mit der Zeit wurde es
dank Barcelona erst unabhängig und nach dem
Zusammenschluss von Katalonien und Aragón zu einem
Königreich mit Barcelona als Hauptstadt. Gegen Ende
des 15. Jahrhunderts vereinigte sich das Reich von
Katalonien-Aragonien mit dem Reich von Kastifien; zu Beginn
des 18. Jahrhunderts, nach dem Ende der spanischen
Erbfolgekriege, entzog Philipp V. von Bourbon Katalonien
seine Jahrhunderte alte Autonomie, indem er ein System
derZentralisation einführte. Dank seines
wirtschaftlichen und industriellen Aufschwungs verwandelte
sich Barcelona zu diesem Zeitpunkt in die modernste Stadt
des Landes. Ihre Unabhängigkeit und ihr neuzeitliches
Gepräge bestimmten seitdem den zwiespältigen
Charakter dieser Mittelmeerstadt.
In Barcelona sind Monumente und Überreste aus allen
Abschnitten ihrer Geschichte erhalten. Sie ist deshalb eine
sehr alte Stadt mit einer vielfältigen und lebendigen
Vergangenheit. Das verstärkt ihr
Traditionsbewusstsein, welches in ihrer christlich
orientierten Religion zum Ausdruck kommt, in der starke
heidnische Züge erhalten sind, aber auch in der
Gesellschaft, mit ihren tiefverwurzelten, direkten
Beziehungen, wo die Familie und kluge, einfallsreiche Leute
eine grosse Rolle spielen, sowie in der Wirtschaft mit
kleinen, regen Unternehmen, in ihren Festen, über die
eifersüchtig gewacht wird, doch ihre ganze
Natürlichkeit erhalten haben, in der Sprache, dem
Katalanischen, das voller Lebenskraft den Ablauf der Zeit
und den Druck des Kastilischen überdauert hat und in
der Gastronomie sowie in anderen Gebieten der Kultur des
Volkes oder einer Minderheit.
Doch Barcelona hat fast immer auf die Karte Moderne
gesetzt. Das liegt vor allem daran, dass es stark
traditionsgebunden ist, wie es im Mittelalter zum Ausdruck
kommt, mit ihrem französisch angehauchten Feudalismus
und mit einem sehr stark geprägten Gefühl einer
freien Stadt in Barcelona selbst, aber auch in ihrer
frühen Wirtschaftsentwicklung und Textilproduktion (im
14. Jh.), in der Industrialisierung zu Anfang des 20. Jhs.,
in der grossen, "Renaixença" oder
Renaissance genannten Bewegung der kulturellen und
politischen Erneuerung in der zweiten Hälfte des
vorigen Jahrhunderts und danach dem nicht weniger
lebendigen, kraftvollen "Modernisme", dem
Modernismus auf Katalanisch, sowie in verschiedenen
avantgardistischen Strömungen des 20 Jh. Der
Schriftsteller Vargas Llosa hat gesagt, es gäbe mit
Ausnahme von Mailand keine "snobbistischere"
Stadt in der Welt als Barcelona. Das "Neue" zu
suchen und zu erobern ist charakteristisch für einen
Teil der Bevölkerung, und kein Teil der ganzen
Bürgerschaft ist davon frei. Es ist darum kaum
verwunderlich, dass einige Leute in ihren Kommentaren
über Katalonien und besonders Barcelona von
"Schizophrenie" gesprochen haben, die auf diese
Spannung zwischen dem Traditionellem und dem Neuem
zurückzuführen ist. Barcelona ist heutzutage eine
"geschlossene" Stadt, d. h., sie will und kann
nicht mehr wachsen. Deshalb ist sie heute damit
beschäftigt, ihre Strassen und Häuser zu
renovieren, ihre Dienstleistungen und Lebensbedingungen zu
verbessern, und Quantität durch Qualität zu
ersetzen. Ihre instand gesetzten Plätze werden schon
jetzt allgemein bewundert. In den früher fast leblosen
Sommermonaten gibt es nun Sport-, Handels- und
Kulturveranstaltungen in wachsender Zahl und
Qualität.
«Zurück |
Home